Anfang Dezember 2010 wird es gemäss dem üblichen 5-Jahres-Rhythmus neue Richtlinien zur Reanimation geben. Nachdem 2005 das Minimieren der Pausen, das Erhöhen des Rhythmus auf 30:2, die Reduktion der Defibrillationen und die therapeutische Hypothermie im Mittelpunkt standen, was glauben meine Leser, welche Änderungen wird es dieses Jahr geben. Wo besteht noch Klärungsbedarf oder welche wissenschaftlichen Neuerungen haben sich ergeben?
Warum wird eigentlich Adrenalin bei einer Reanimation benutzt? Der Hintergrund begründet sich in der Vorstellung, dass die durch Katecholamine verursachte Zentralisation des Kreislaufs die zerebrale und kardiale Durchblutung verbessert. Nachweislich erhöht die Verwendung von Adrenalin auch den Anteil der Patienten, die nach Reanimation mit spontanem Kreislauf die Klinik erreichen.
Im letzten Artikel habe ich, nachdem der Chefarzt mehr über unsere Hausapotheken wissen wollte, nach Arzttaschen gefragt, nach persönlicher Erste-Hilfe-Ausrüstung, nach Verbandskästen und Notfalltaschen. Quasi nach der Hausapotheke für unterwegs. Wie sehen eigentlich eure Arzttaschen/Notfalltaschen/Verbandskästen aus? Kunststoff oder Leder? Medikamente oder Beatmungsbeutel? Defibrillator oder Mini-OP?
Schreibt, was ihr so unterwegs mit euch herumschleppt, ob privat oder im Vertretungsdienst, ob mit Foto oder Selbstportrait, ob Arzt, Sanitäter oder Krankenpfleger?
Bei Kevin bin ich über diverse Zeitverschwendungstools, ähm, Online Surgery Tools gestolpert. Wer also in der Mittagspause mal Lust hat, den Herzchirurg in einem zu wecken, sollte es mal mit den folgenden Simulationen versuchen.
Drei Seiten widmet Spiegel dem Artikel über die angebliche Mörderin “Schwester Conny”, eine Anästhesieschwester, die angeblich über Jahre Patienten gefährdet oder getötet haben soll. Sie soll beispielsweise Patienten auf der Intensivstation relaxiert haben, um sie daraufhin wieder zu “retten”. Mit dem ganzen Krimi geht es bei Spiegel Online weiter…
Für den Arzt gibt es jetzt keine Zweifel mehr: Schwester Conny, die damals ihre Haare schwarz gefärbt hatte, muss dem Rentner das muskellähmende Narkotikum gespritzt haben. “Die bringt uns die Leute um”, warnt er Kollegen und Vorgesetzte, “es muss etwas passieren.” Wieder stößt er auf Skepsis. “Adolf, du musst dir ganz sicher sein, sonst gefährdest du deine Position”, ermahnt ihn ein Personalratsmitglied. Doch Novotny bleibt so unbeirrt, dass seine Chefs die Staatsanwaltschaft alarmieren. Cornelia V. wird erst suspendiert, dann wird ihr gekündigt. Sie hat die Klinik seit dem Vorfall mit dem Rentner nie mehr betreten.
Obwohl die therapeutische Hypothermie nach Herzstillstand schon lange empfohlen wird und mit einem besseren Outcome korreliert ist, wird dieses Verfahren noch nicht durchgehend verwendet.
„Nach einer Umfrage unter Intensivmedizinern wendet nicht einmal jede dritte bis vierte Klinik das Verfahren regelhaft an“, kritisierte Bernd Böttiger, Präsident des European Resuscitation Council (ERC). Dabei könnte einem von sechs Patienten durch die Kühlung das Leben gerettet werden.
Entscheidend für den Erfolg der therapeutischen Hypothermie ist laut DGAI die exakte Temperatur. Demnach kann es bei einer Körpertemperatur von unter 32 Grad Celsius zu Herzrhythmusstörungen kommen, bei weniger als 28 Grad Celsius bleibt das Herz stehen. Eine Abkühlung auf 32 bis 34 Grad habe sich jedoch als sicher erwiesen.
Die Leitlinien zu Basis- und erweiterten Maßnahmen finden sich zum Beispiel auf den Seiten der DGAI. (Leitlinien)