Nachdem ich im letzten Artikel über das “Kannst du mal eben kurz…”-Syndrom geschrieben habe, fielen mir im Wochenenddienst noch ein paar andere “Syndrome” auf.
Da hätten wir zuerst das “Was nicht passt, passt nicht…”-Syndrom. Und was passt immer mal wieder nicht… die Larynxmaske. Wenn sie also bei der Einleitung schon nicht passt, sollte man eben nicht denken, dass die Kürze des Eingriffs eine positive Wirkung auf die Passform der LAMA hat, falls man nicht plötzlich bei einer 70er Sättigung in der einen Hand das Succi, in der anderen Spatel und Tubus für schöne Atemwege sorgen will. Davon abgesehen, wurde mir von Anfang an beigebracht, dass ein schöner runder Tubus noch keinem geschadet hat.
Dann gäbe es noch das “Der erste Gedanke zählt…”-Syndrom. Wenn man plant, eine Regionale zu machen, und sie aufgrund vielfältiger Einflüsse, verschwundenes Sono, nervende Chirurgen, etc in eine ITN swicht, dann wird irgendwann der Gedanke kommen, “Warum hab ich keine Regionale genommen?”
Jeder Anfänger der Anästhesiologie wird nach einigen Wochen im OP immer sicherer bei den “einfachen” Intubationen, vor allem durch die optimalen Bedingungen, die im OP herrschen. Nach 1-2 Jahren, im Rahmen der Intensivweiterbildung kommt dann die Ernüchterung, dass doch nicht soviele Intubationen beim ersten Mal klappen, einem das Sättigungsgepiepe häufig um die Ohren fliegt. Kollegen aus Mainz haben nun veröffentlicht, dass eine von fünf Intubationen auf Intensiv problematisch sind.
One out of every five endotracheal intubations attempted in the intensive care unit is problematic, and alternative tools needed to secure these difficult airways are often several life-threatening minutes away, researchers in Germany have found.
“We had a feeling that there’s a high incidence of difficult airway in the ICU, just based on experiences of physicians,” said lead author Rüdiger Noppens, MD, an anesthesiologist at University Medical Center of the Johannes Gutenberg University in Mainz. “But we weren’t prepared for this finding.”
In den letzten Monaten haben die iPhone Apps im Bereich Medizin ordentlich zugenommen, vor allem kostenpflichtige Konvertierungen englischsprachiger Fachliteratur lässt sich immer häufiger finden. Für den Bereich Anästhesiologie findet sich seit einiger Zeit ein schönes App mit ein paar Grundlagen, englischsprachig, aber auch werbefrei und kostenlos. Der Inhalt ist sehr übersichtlich gestaltet, stichwortartig aufgelistet und wird ohne Bilder oder Skizzen präsentiert. Fazit: Empfehlenswert! Auch wenn man die App nicht im täglichen Ablauf verwendet, und auch eher nicht zum schnellen Nachschlagen nutzt, lässt es sich gut in einer ruhigen Minute durchblättern. Habe sie auch schon in einer “englischsprachigen” Prämedikation genutzt.
An manchen Tagen ärgert man sich über einen selbst. Uns wurde ein HNO-Patient mit ausgeprägtem Pharynxtumor angekündigt, Bilder etc. ließen keinen Zweifel an einer bronchoskopischen Wachintubation. Also los, Patient wurde mit Fentanyl, Dormicum und Lokaler gefügig gemacht und das Bronchoskop eingeführt.
Durch das “Selbst-Intubations-Video” bin ich auf ein grafisch sehr schönes Videos zum Thema “How to intubate” gestoßen. Dieses möchte ich euch nicht vorenthalten.
Was man alles macht wenn einem langweilig ist. Hier wird eine RIFL-Intubation (Rigid Intubating Fiberoptic Laryngoscope) an sich selbst durchgeführt. Was habt ihr alles schon mal selber “ausprobiert”?